Indien

Die deutsch-indische Kooperation in Wissenschaft und Forschung verzeichnete in den fast 60 Jahren ihres Bestehens eine kontinuierliche Steigerung der Intensität. Nach den USA ist Deutschland mittlerweile zweitwichtigster Partner Indiens in diesem Bereich. Das „Indo-German Science and Technology Center“ in Neu-Delhi ist das weltweit einzige bilaterale Zentrum Deutschlands dieser Art.

Indische Flagge

Fördermöglichkeiten

Das Internationale Büro (IB) veröffentlicht im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) regelmäßig drei unterschiedliche Arten von Förderbekanntmachungen zur Realisierung deutsch-indischer Forschungskooperationen:

  • IGSTC
    - Jährliche 2+2 Förderbekanntmachungen im Rahmen des „Indo-German Science and Technology Center (IGSTC)“. Unter „2+2 Projekten“ werden Forschungs- und Entwicklungs- (FuE) Projekte mit Beteiligung mindestens einer deutschen und einer indischen Forschungseinrichtung und mindestens einem deutschen und einem indischen forschenden Industriepartner verstanden. Weitere Informationen sind unter www.igstc.org zu finden.
    - Workshops: Das IGSTC bietet jährlich stattfindende Workshop-Calls in ausgewählten Themenbereichen an, die durch das IGSTC veröffentlicht werden.
  • Förderbekanntmachungen für Forschungsprojekte mit dem Indian Council of Medical Research (ICMR), dem Indian Department of Biotechnology (DBT) und dem Indian Council of Scientific and Industrial Research (CSIR).Die Bekanntmachungen erfolgen in 1-2jährigem Rhythmus.

Außerdem gibt es immer wieder internationale Bekanntmachungen der Fachreferate des BMBF die Kooperationsmöglichkeiten mit Indien bieten.

Hier finden Sie aktuelle Bekanntmachungen...

Politischer Rahmen

Der Ausbau der Zusammenarbeit mit forschungsdynamischen Ländern in Wachstumsmärkten ist ein Ziel der "Hightech-Strategie für Deutschland". Die Bundesregierung unterstützt dabei die Zusammenarbeit mit Ländern, die ihre Kompetenzen in Forschung und Entwicklung stark ausbauen und damit zu interessanten Partnern für den Hightech-Standort Deutschland werden.

Eine Stärkung der Zusammenarbeit mit Indien entspricht ebenfalls vier von fünf Zielen der „Strategie zur Internationalisierung von Bildung, Wissenschaft und Forschung“, namentlich

  • Exzellenz durch weltweite Kooperation stärken,
  • Deutschlands Innovationskraft international entfalten,
  • Bildung und Qualifizierung international ausbauen,
  • Gemeinsam globale Herausforderungen bewältigen.

Die wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit (WTZ) mit Indien ist eines der wichtigen Zukunftsfelder der deutsch-indischen Beziehungen im Rahmen der strategischen Partnerschaft beider Länder. Die deutsch-indischen WTZ-Beziehungen beruhen auf dem Abkommen über die friedliche Nutzung der Kernenergie und des Weltraumes (1971), dem Abkommen über die Zusammenarbeit in wissenschaftlicher Forschung und technischer Entwicklung (1974) sowie einer großen Zahl von Einzelvereinbarungen zwischen deutschen und indischen Forschungseinrichtungen und Mittlerorganisationen.

Umfang und Zielrichtung der WTZ werden seit 1996 vom Deutsch-Indischen Komitee für Wissenschaft und Technologie festgelegt, das unter der Führung eines Staatssekretärs des BMBF und des Department of Science und Technology (DST) alle zwei Jahre tagt. Die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Forschung, Bildung und Wissenschaft nimmt bei den seit 2010 durchgeführten bilateralen Regierungskonsultationen eine wichtige Rolle ein. Zusätzlich gibt es hochrangige bilaterale Arbeitsgruppen für die Themen „Hochschulbildung“ und „Berufliche Bildung“.

Schwerpunkte in der Zusammenarbeit

Die Wissenschaftlich-Technologische Zusammenarbeit mit Indien umfasst drei komplementäre Bereiche:

  • Gemeinsame Forschungsprojekte in den Fachprogrammen des BMBF und im Rahmen von 2+2 Ausschreibungen des IGSTC.
  • "Forschungsprojekte des Internationalen Büros (IB) zur Durchführung kleinerer gemeinsamer Forschungsprojekte die erste Kontakte ermöglichen oder bestehende vertiefen und somit die Grundlage für die Planung größerer Forschungsvorhaben bilden können . Workshops, können ebenfalls im Rahmen dieser Bekanntmachungen gefördert werden.
  • Austausch von Studierenden und jungen Wissenschaftlern über den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) im Rahmen des Programms „A New Passage to India“, die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), der die Grundlage für Projekte und langfristige Kooperationen bildet.

Thematisch liegen die Schwerpunkte in den Ingenieur- und Naturwissenschaften.

Höhepunkte der bilateralen Kooperation

Indo German Science and Technology Centre (IGSTC)

Die Gründung des IGSTC wurde 2007 beschlossen und 2010 mit der Einweihung der Geschäftsstelle in Gurgaon umgesetzt. Träger sind das BMBF und das Department of Science and Technology (DST). Beide Ministerien kamen überein, die Mittel für das IGSTC von 2 Mio. auf 4 Mio. Euro pro Jahr zu erhöhen – mit Gültigkeit für die Zeit von 2017-2022. Seit Dezember 2016 wird das IGSTC vom Direktor - Hrn. Dr. Roshan Paul – geführt. Das Büro in Indien beschäftigt sieben Mitarbeiter/innen. Das deutsche Büro ist derzeit beim DLR-Projektträger angesiedelt. Programmatischer Schwerpunkt des IGSTC ist die Förderung anwendungsorientierter Forschungsprojekte (2+2). Aus den bisherigen sechs Bekanntmachungenb sind insgesamt 31 Projekte zur Förderung in den Bereichen Ingenieur- und Naturwissenschaften vorgeschlagen worden (11 bereits abgeschlossen).

Weiterhin soll das Zentrum als Plattform für die Entwicklung bilateraler Netzwerke dienen. Hierzu veranstaltet das Zentrum u.a. Workshops und Konferenzen..

A New Passage to India

Um den Austausch von Studenten und Studentinnen zwischen Deutschland und Indien zu intensiveren, hat der DAAD 2008 aus Fördermitteln des BMBF (rund 4 Millionen Euro pro Jahr) die länderspezifische Kampagne „A New Passage to India“ initiiert. Gefördert wurden bisher Studienaufenthalte deutscher Studierender, Graduierter und Promovierter an indischen Hochschulen, sowie die Möglichkeit nach dem Hochschulabschluss ein Jahr an einer indischen Institution zu arbeiten.
Ein weiterer Baustein des Programms ist das „Indo-German Center of Sustainability“ (IGCS) am IIT Madras.Am 6. Dezember 2010 wurde das IGCS mit dem Ziel eröffnet, die deutsch-indische interdisziplinäre Forschung im Bereich der Nachhaltigkeitsforschung, im Besonderen in den Gebieten Wasser, Abfallmanagement, Landnutzung und erneuerbare Energien zu stärken.

Für die deutsche Seite hat die RWTH Aachen die Projektkoordination übernommen. Weitere beteiligte Universitäten sind die TU Berlin, die TU München, die Universität Stuttgart und die Universität Kiel. Die Federführung auf indischer Seite liegt beim IIT Madras.

"M.S. Merian – R. Tagore International Centre for Advanced Studies in the Humanities and the Social Sciences" (ICAS:MP)

Ein deutscher Forschungsverbund baut das Centre derzeit im Rahmen einer Vorphase gemeinsam mit indischen Verbundpartnern in Delhi auf. Auf deutscher Seite sind die Max-Weber-Stiftung mit dem Deutschen Historischen Institut London sowie die Universitäten Göttingen, Würzburg und Erfurt beteiligt, die indischen Partner sind das Institut for Economic Growth, das Centre for the Study of Developing Societies (beide in Delhi) und das Centre for Studies in Social Sciences, Calcutta.

Inhaltlich befasst sich das Centre mit dem Thema: „Metamorphosen des Politischen: Vergleichende Perspektiven auf das lange 20 Jahrhundert“ und wird zur Bearbeitung zentraler Fragestellungen jährlich über zehn Fellows einladen.

Das Centre soll zur Intensivierung der deutsch-indischen Forschungskooperation auf dem Gebiet der Geistes- und Sozialwissenschaften und insgesamt zur Internationalisierung der geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschung in Deutschland beitragen."

Indische Beteiligung an europäischen Großforschungsanlagen

Indien ist am Bau des neuen Beschleunigers für die Forschung mit Ionen- und Antiprotonenstrahlen „FAIR“ der GSI in Darmstadt sowie am Bau des internationalen Fusionsreaktors ITER in Frankreich beteiligt. Darüber hinaus investiert Indien aktiv in die Kooperation mit DESY.

Berufsbildung

Das BMBF kooperiert seit 2007 mit der indischen Regierung in der Berufsbildung; in jährlichen Treffen einer bilateralen Arbeitsgruppe auf Staatssekretärsebene werden die gemeinsamen Aktivitäten beraten und gesteuert. Die Zusammenarbeit hat nach den Kongresswahlen im Jahr 2014 an Dynamik gewonnen und konzentriert sich derzeit auf den Aufbau von Unternehmensclustern zur Durchführung dualer – vorwiegend betrieblicher – Apprenticeships. Als „Rollenmodell“ hierfür gilt das BMBF-geförderte Projekt VETnet an der AHK in Pune, in dem seit 2013 Elemente dualer Berufsbildung erprobt werden. Hierbei werden sich starke Synergien mit dem von BMZ geplanten und von der GIZ umzusetzenden Berufsbildungsprojekt ergeben. Die BMBF-Initiative iMOVE unterstützt den Zugang deutscher Bildungsanbieter zum indischen Bildungsmarkt, bspw. durch die Ausschreibung von Weiterbildungsmaßnahmen für indische Master-Trainer in Deutschland. Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) berät die indische Seite bei der Entwicklung innovativer Rahmencurricula. Darüber hinaus ist deutsche Unterstützung beim Aufbau eines „National Institutes for Higher Vocational Learning for Workers“ und bei der Etablierung von Weiterbildungseinrichtungen im Bereich „Energieeffizientes Bauen“ vorgesehen. Das bestehende Memorandum of Understanding soll im Zuge der Regierungskonsultationen im Oktober 2015 erneuert werden. Das Internationale Büro koordiniert und moderiert die verschiedenen Aktionslinien und hält den direkten Kontakt zu den indischen und deutschen Partnern im Auftrag des BMBF.

Die Rolle des Internationalen Büros

Die bi- und multilaterale Kooperation der Regierungen sowie der Forschungs- und Entwicklungs-Institutionen wird in Deutschland vom Internationalen Büro (IB) unterstützt. Ziel ist es, die internationale Vernetzung deutscher Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen auszubauen, so dass die deutsche Wissenschaft und Wirtschaft Kompetenzen gewinnen und Innovationsvorsprünge erlangen kann. Damit leistet das Internationale Büro einen Beitrag zur Umsetzung der internationalen Dimension in den Fachprogrammen des BMBF und stellt hierfür im Auftrag des BMBF auch Projektförderung bereit.

Zudem werden regelmäßig Berichte und Analysen zur indischen Forschungs- und Bildungslandschaft und zur Zusammenarbeit in diesen Bereichen mit Deutschland erstellt und veröffentlicht.