Vietnam

Vietnam ist mittlerweile das wichtigste Partnerland des Bundesministeriums für Bildung und Forschung in Südostasien.

Hoa-Binh-Staudamm in Vietnam

© Internationales Büro/Ludwig Kammesheidt

Fördermöglichkeiten

Aktuell laufende Bekanntmachungen zur Zusammenarbeit mit Vietnam:

  • IKARIM
    Richtlinie zur Fördermaßnahme "Internationales Katastrophen- und Risikomanagement – IKARIM" im Rahmen des Programms "Forschung für die zivile Sicherheit" der Bundesregierung
  • Nachhaltige Entwicklung urbaner Regionen
    Richtlinie zur Förderung von Forschungs- und Entwicklungsvorhaben zum Thema "Nachhaltige Entwicklung urbaner Regionen"
  • CLIENT II
    Richtlinie zur Förderung von "CLIENT II – Internationale Partnerschaften für nachhaltige Innovationen" im Rahmenprogramm Forschung für Nachhaltige Entwicklung – FONA³.

Politischer Rahmen

Grundlage der bilateralen Kooperation zwischen Vietnam und Deutschland ist ein Abkommen zur wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit, das anlässlich des Staatsbesuchs des vietnamesischen Präsidenten Truong Tan Sang am 25. November 2015 in Berlin unterzeichnet wurde.

Schwerpunkte der Kooperation

Aktuelle Kooperationsschwerpunkte liegen in den Bereichen Wasser- und Umwelttechnologien, Rohstoffeffizienz, nachhaltige Urbanisierung, Bioökonomie und Gesundheitsforschung.

Wasser- und Umwelttechnologien

Im Bereich Wasser- und Umwelttechnologien besteht seit 2006 eine strategische Partnerschaft zwischen dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Ministry of Science and Technology ((MoST). Im Oktober 2007 wurde ein vietnamesisch-deutsches „Projektbüro Wasser- und Umwelttechnologie“ in Hanoi eröffnet; 2013 wurde es in „Vietnamesisch-deutsches Büro für Wasser und Nachhaltigkeit“ umbenannt und neu strukturiert, zurzeit wird es als deutsches Projektbüro weitergeführt.

Vor dem Hintergrund der Entwicklung beider Länder, des globalen Wandels und der Agenda 2030 der Vereinten Nationen gewinnt die umfassende Perspektive einer nachhaltigen Entwicklung auch bei der deutsch-vietnamesischen Forschungskooperation zunehmend an Bedeutung. Gemeinsames Ziel ist es, Forschungsprojekte auf konkrete Handlungsoptionen für eine nachhaltige zukünftige Entwicklung auszurichten. Beide Seiten streben daher eine noch engere Abstimmung über gemeinsame Forschungsschwerpunkte und eine frühzeitige Einbindung aller wichtigen Stakeholder an. Eine interministerielle Arbeitsgruppe im Bereich der nachhaltigen Entwicklung (FONA WG) soll die Abstimmung über Aktivitäten und Projekte unterstützen.

Im Bereich „Wasser- und Umwelttechnologien sowie Rohstoffeffizienz“ laufen 2017 sieben Verbundprojekte - davon drei in der Fördermaßnahme CLIENT I (Internationale Partnerschaften für nachhaltige Klimaschutz- und Umwelttechnologien und -dienstleistungen), und ein Vorprojekt.

Bioökonomie

Vietnam ist eines der priorisierten Partnerländer in der BMBF-Bekanntmachung „Bioökonomie International“, die seit 2013 regelmäßig ausgeschrieben wird. Mittlerweile sind drei bilaterale Förderlinien mit dem MoST veröffentlicht worden. Aktuell werden vier gemeinsame Vorhaben gefördert.

Im Rahmen der Bekanntmachung „KMU Innovativ“ entwickelt ein deutsches Unternehmen und die TU Berlin gemeinsam mit vietnamesischen Partnern ein innovatives Verfahren zur Biogasherstellung aus Reisstroh unter Berücksichtigung von Klimaschutz und einer nachhaltigen Entwicklung im ländlichen Raum (Laufzeit: 2016-2019).

Nachhaltige Urbanisierung

In schnell wachsenden Städten in Schwellen- und Entwicklungsländern fehlt es meist an Daten und Methoden für eine effektive, auf das Wachstum ausgerichtete Infrastrukturplanung. Die Fördermaßnahme „Rapid Planning“ hat das Ziel, eine transsektorale Planungsmethodik zu entwickeln, in denen die Sektoren Energie, Wasser, Abwasser, Abfall und urbane Landwirtschaft systemisch ineinandergreifen. Zwei Verbundvorhaben, koordiniert vom AT-Verband Stuttgart und der BTU Cottbus, werden in diesem Rahmen am Beispiel Da Nangs durchgeführt (Laufzeit 2014-2019).

Im Februar 2017 wurde eine Bekanntmachung zur „Nachhaltigen Entwicklung urbaner Regionen“ veröffentlicht, Zielländer sind die ASEAN Staaten und China. Von den elf geförderten Vorhaben (6-monatige Anbahnungsphase) arbeiten drei ausschließlich mit Vietnam und drei weitere mit Vietnam und weiteren Ländern zusammen. Neben der nachhaltigen Stadtentwicklung liegt ein weiterer Schwerpunkt der Projekte im Bereich Risikomanagement bei Extremwetterereignissen.

Forschungspräsenzen in der Gesundheitsforschung

Im Rahmen der BMBF-Bekanntmachung „Aufbau von Forschungspräsenzen in Südostasien“ wird die Einrichtung eines Forschungsnetzwerks zu „Melioidosis und Burkholderia pseudomallei“ (RENOMAB) gefördert. Das Bodenbakterium B. pseudomallei ist der Erreger der Meliodosis, einer Infektionskrankheit der Tropen und Subtropen, deren weltweite Bedeutung zunehmend erkannt wird, die aber bislang kaum erforscht worden ist. Auf deutscher Seite wird das Vorhaben vom Friedrich-Löffler Institut für Medizinische Mikrobiologie der Universität Greifswald koordiniert. Partner in Vietnam sind u.a. das Bach Mai Hospital und das Institute of Micobiology and Biotechnology der Vietnam National University, beide in Hanoi (Laufzeit: 2013-2017).

Ein weiteres Vorhaben aus der jüngsten APRA-Bekanntmachung (2016) zum Aufbau eines Vietnamesisch-Deutschen Exzellenzzentrums für klinische Studien (VG-EXEL) zwischen der Universität Tübingen und dem 108 Military Hospital in Hanoi wird seit August 2017 für bis zu fünf Jahre gefördert. Beide Vorhaben werden vom MoST ko-finanziert.

Vietnamese-German University (VGU)

Eine umfassende Neuorientierung des vietnamesischen Hochschulwesens soll mit internationaler Unterstützung stattfinden. Die Vietnamese-German University (VGU) in Ho Chi Minh Stadt ist die erste staatliche Hochschule mit ausländischer Beteiligung. Ziel der vietnamesischen Regierung ist es, eine forschungsbasierte Modellhochschule (New Model University) aufzubauen, deren Vorbild auf das gesamte System übertragen werden kann. Die VGU (eine Initiative Hessens) wurde am 10. September 2008 eröffnet.

Der am 17. Februar 2009 gegründete Konsortialverein VGU e.V. stellt mit seinen 37 Mitgliedshochschulen und -institutionen (darunter auch der TU9-Verbund) das akademische Rückgrat der VGU dar. Ständige Gäste im Vorstand sind DAAD, BMBF und das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst (HMWK).

Die englischsprachigen Lehrveranstaltungen finden bis zum Campusneubau in einem Übergangsgebäude auf dem Campus der Eastern International University in Binh Duong statt. Der VGU eigene Campus wird unweit des jetzigen Übergangscampus in der Region Binh Duong in den kommenden Jahren errichtet. Finanziert wird der Bau aus Mitteln der Weltbank in Höhe von 180 Mio. US-Dollar.

Angeboten werden derzeit elf Studienprogramme in Kooperation mit deutschen Partnerhochschulen (fünf MSc., ein MBA, vier BSc. und ein BEng. jeweils mit Foundation Year). Der Schwerpunkt der Programme liegt im Bereich Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften.

Zum Wintersemester 2016/17sind rund1.200 Studierende an der VGU eingeschrieben. Die Kapazität soll in drei Stufen bis 2030 auf 12.000 Studierende ausgebaut werden.

Rolle des Internationalen Büros

Das Internationale Büro unterstützt im Auftrag des BMBF das Ziel, die internationale Vernetzung deutscher Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen auszubauen, um Kompetenzgewinne und Innovationsvorsprünge für die deutsche Wissenschaft und Wirtschaft zu ermöglichen. Damit leistet das Internationale Büro einen Beitrag zur Umsetzung der internationalen Dimension in den Fachprogrammen des BMBF.